Porträt von Welf Hermann

Teamchef

Welf Hermann

Gründer und Teamchef, seit 1986 im Motorsport und heute mit der ganzen Familie an der Strecke.

In eigenen Worten

Angefangen hat alles 1986 bei Dauerhaltbarkeitsfahrten, weit weg von der Rennstrecke. Fahrzeuge über tausende Kilometer prüfen, bis sich zeigt, was hält und was nach der ersten Runde in seine Einzelteile zerfällt. Da lernt man ein Auto von innen kennen, lange bevor es um Rundenzeiten geht, und man entwickelt ein Gefühl dafür, wo die Schwachstellen sitzen. Parallel dazu bin ich Mitte der Achtziger Autoslalom gefahren, enge Kurse, viele Pylonen, alles eine Frage von Präzision und sauberem Blick für die Linie. Danach kam eine lange Pause, in der anderes Vorrang hatte und der Motorsport warten musste.

Zurück auf die Strecke

Über die Kontakte aus den Haltbarkeitsjahren fand ich später den Weg in den richtigen Motorsport: die VLN auf der Nürburgring-Nordschleife, gut zwanzig Kilometer, die sie die Grüne Hölle nennen. Mein Auto war ein BMW M3 der Generation E46, am Anfang weiß, später grau-metallic. Dieses Auto habe ich viele Jahre gefahren und bis heute nicht vergessen, für mich ist es die schönste Generation dieser Baureihe. Meine Rolle war dabei meistens die Aufholjagd. Ich war immer dabei, um zu gewinnen, und aus dem Mittelfeld nach vorn zu arbeiten war genau meine Aufgabe. Danach ging es mit Ehret Motorsport im BMW M235 weiter, ebenfalls in der VLN.

Die lange Distanz

In der NES kam ich mit Marcel Konrad zusammen, und mit ihm folgten viele erfolgreiche Rennen auf dem VW Scirocco. Der bislang größte Einsatz stand 2022 an: das 24-Stunden-Rennen auf dem Nürburgring, gemeinsam mit 4Motors auf einem Porsche Cayman GT4. Vierundzwanzig Stunden am Stück, Tag und Nacht, Regen und Trockenheit, alles in einem einzigen Rennen. Am Ende stand P2 in der AT-Klasse. Mit den Caymans ist man auf der Langstrecke ohnehin selten schlecht beraten.

Wie aus mir ein Teamchef wurde

Der eigentliche Anstoß kam von meinen beiden großen Töchtern. Kira und Tanita wollten selbst ins Auto, nach Jahren des Zuschauens und Anfeuerns. So fiel der Blick auf den 318ti Cup und das erste eigene Fahrzeug. Zu Beginn lief alles über den Service von Marcel, Stück für Stück haben wir das dann selbst in die Hand genommen. Aus einem Auto wurde ein zweites, aus der Betreuung wurde eine eigene Struktur, und am Ende stand das, was heute KTW4Racing ist, in seiner mittlerweile recht ausgewachsenen Form.

Heute

Getragen wird das Ganze von der ganzen Familie. Der Gesamtsieg in der NES im vergangenen Jahr gehört dazu, ebenso die Gentlemen Trophy in zwei aufeinanderfolgenden Jahren. Inzwischen sind fast alle vier Kinder mit dabei, drei von ihnen fahren bereits selbst, und der vierte Platz im Cockpit ist fest eingeplant. Aus einem Hobby ist über die Jahre eine echte Familiensache geworden, und ich habe nicht vor, so bald damit aufzuhören.